banner.jpg
  • Apotheker Heinz Funke
  • An den Linden 43
  • 40723 Hilden
Anmelden | Registrieren
Drucken

Impfungen für Kinder: Kleiner Piks, großer Schutz

Impfen gehört zu den zuverlässigsten Vorbeugemaßnahmen gegen Krankheiten. Doch viele Eltern haben Angst vor Nebenwirkungen und Komplikationen. Wie eine richtige Aufklärung Zweifel und Vorurteile beseitigen kann


Schon acht Wochen nach der Geburt ist die erste Impfung fällig

Das Baby ist gerade erst geboren, es scheint noch zart und zerbrechlich, und schon acht Wochen später soll es seine erste Spritze erhalten: die Sechsfach-Impfung gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Hepatitis B, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio) und Wundstarrkrampf (Tetanus). Eine medizinische Entscheidung, die manchen Müttern und Vätern schwerfällt, weil so schlimme Gerüchte über das Impfen kursieren. Eine Entscheidung, die die Eltern in zwei Lager spaltet: in das der Impfbefürworter und in das der Impfgegner. Beide Seiten haben erschütternde Argumente über mögliche Folgen, wenn das Impfen unterlassen wird und wenn die Kinder immunisiert werden. Gespräche mit anderen Eltern, Bücher und nicht zuletzt das Recherchieren im Internet vergrößern oftmals die Unsicherheit. Und welche Eltern kennen es nicht: Das beklemmende Gefühl, eine Entscheidung zu treffen, die egal wie sie ausfällt, das eigene Kind großer Gefahr aussetzen könnte.

Warum Impfen so wichtig ist

Das Impfen selbst sieht harmlos aus: Ein kleiner Piks mit abgeschwächten Krankheitserregern, je nach Alter entweder in den Oberarm oder in den Oberschenkel, und schon ist alles vorbei. Aber doch wird das Immunsystem nun hochaktiv. Der Körper bildet Abwehrstoffe, die ihn über viele Jahre, manchmal sogar ein Leben lang vor Krankheiten schützen. Das ist ein wichtiges Training für den Körper. „Schutzimpfungen gehören zu den wirksamsten und kostengünstigsten Maßnahmen der Prävention, die wir in der Medizin haben“, sagt Professor Dr. Reinhard Burger, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Die Ärzte und Wissenschaftler des RKI sind für die Krankheitsvorbeugung und -überwachung in Deutschland zuständig. Die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission (STIKO) prüft jede Impfung und wägt Nutzen und Risiken gegeneinander ab. Zahlreiche Statistiken belegen: Impfungen haben viele Krankheiten zurückgedrängt und Tausende von Todesfällen und Behinderungen verhindert. Möglich war das nur, weil sich die große Mehrheit für das Impfen entschieden hat und immer noch entscheidet. Gegen die meisten Erkrankungen sind mehr als 90 Prozent der Schulanfänger geimpft. Um aber etwa das Masernvirus vollständig auszurotten, müssten 95 Prozent der Menschen in Deutschland dagegen geimpft sein. „Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir vor allem auf Aufklärung und Überzeugungsarbeit“, so Reinhard Burger.


Oft fehlen die Folgeimpfungen

Problematisch ist, dass viele Eltern nach der ersten Injektion nachlässig werden. Sie vergessen die Spritze zum Auffrischen oder holen versäumte Impfungen nicht nach. So sind etwa 96 Prozent der Schulanfänger einmal gegen Masern geimpft worden, aber nur 90 Prozent erhielten auch die notwendige zweite Impfung. Ein Grund, warum es in den vergangenen Jahren regional immer wieder tausende Ansteckungen mit Masern gab. Masern werden seitens der Impfgegner als harmlose Kinderkrankheit abgetan, weil die Kinder das Fieber und die Pusteln oft ohne bleibende Schäden überstehen. Was die Impfgegner übersehen: Fast jedes Jahr sterben Kinder an Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündungen. „Deswegen sollten sich Eltern gut überlegen, ob sie ihrem Kind die Masernimpfung vorenthalten“, sagt Dr. Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen. Das Bundesinstitut ist für die Überwachung der Impfstoffe zuständig.

Nebenwirkungen und Komplikationen beim Impfen

„Impfnebenwirkungen sind möglich“, erklärt PEI-Sprecherin Stöcker, „jedoch fallen diese fast immer harmlos aus“. Es kann vorkommen, dass die Einstichstelle sich entzündet, anschwillt oder schmerzt. Seltener sind Magen-Darm-Beschwerden, leichtes Fieber oder Muskel- und Gelenkschmerzen. Alles was darüber hinausgeht, müssen Ärzte umgehend an die Gesundheitsämter melden. Diese leiten die Berichte an das Paul-Ehrlich-Institut weiter, das die Zusammenhänge zwischen der Erkrankung und der Impfung überprüft. Beim geringsten Zweifel kann das Bundesinstitut die Hersteller des Impfstoffes verpflichten, Zusatzstudien durchzuführen oder gar den Impfstoff vom Markt zu nehmen. „Die Angst vor der Immunisierung ist allerdings unbegründet“, so die Expertin. „Das Risiko von Impfkomplikationen ist immer viel kleiner als die Komplikation durch die Krankheit selbst“. Bei Masern besteht etwa ein geringes Risiko, durch die abgeschwächten Viren in der Schutzimpfung an Masern zu erkranken. Allerdings gab es keinen einzigen Fall, bei dem das Impfvirus nachweislich die Hirnentzündung SSPE ausgelöst hat. Bei Ungeimpften liegt die Wahrscheinlichkeit jedoch bei 1 zu 10.000, die tödlich verlaufende SSPE zu bekommen.

Mehrfachimpfung – eine zu große Belastung?

Impfstoffe haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert und sind sicherer geworden. Vorurteile, dass Mehrfachimpfungen eine zu große Belastung vor allem für Neugeborene sind, können Ärzte heute entkräften: Bei Einzelimpfstoffen müssen häufig Zusatzstoffe für die Haltbarkeit beigemischt werden, die Nebenwirkungen verursachen können. Bei Mehrfachimpfungen ist die Menge dieser Zusatzstoffe hingegen deutlich reduziert, und vor allem ersparen sie zusätzliche Pikser für die Kleinen. Hinzu kommt, dass die Dosis der abgeschwächten Erreger heute wesentlich geringer ist: Früher bekam ein Kind allein durch den Keuchhusten-Ganzkeim-Impfstoff 3000 Antigene verabreicht – heute sind es bei den zwölf Standardimpfungen insgesamt weniger als 150.

Impfschäden könnten besser dokumentiert werden

Bevor Impfstoffe auf den Markt kommen haben Sie schon Studien durchlaufen. Dr. med. Klaus Hartmann, Impfexperte aus Wiesbaden, fordert aber noch eine genauere Überwachung: „Wenn Impfstoffe eingeführt werden, sollten immer große Langzeitstudien mitlaufen“, fordert Hartmann. Von 1993 bis 2003 war er für die Arzneimittelsicherheit beim Paul-Ehrlich-Institut zuständig, heute ist er unabhängiger Gutachter für Impfschäden und hat eine Praxis für Impfstoffsicherheit und Impfschadenforschung in Wiesbaden. „Impfschäden könnten besser aufgespürt werden, wenn jede Komplikation sofort dem PEI mitgeteilt würde“, so der Experte. Die Melderate der Ärzte lasse aber zu wünschen übrig, da bei möglichen Nebenwirkungen oftmals kein Zusammenhang zur Impfung gesehen würde. Hartmann weiß, dass Impfungen in ganz seltenen Fällen zu neurologischen Komplikationen führen. Aber dennoch ist er kein Impfgegner – er selbst und seine drei Kinder sind geimpft. Er findet nur, dass Komplikationen besser dokumentiert werden sollten.

Der größte Feind der Impfung ist ihr Erfolg

Heute gibt es kaum noch Menschen, die jemanden kennen, der etwa an Kinderlähmung oder Diphtherie erkrankt ist. Doch über Nebenwirkungen durch die Impfung gibt es Berichte zuhauf. Das Gefühl für die wirkliche Gefahr gehe damit verloren, sagt Dr. Susanne Stöcker. „Der größte Feind der Impfung ist ihr Erfolg“.

Lassen Sie sich am besten von Ihrem Kinderarzt beraten und lesen sie die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO). Wir haben hier auch einen Impfkalender für Sie zum Herunterladen.



  1. 1
  2. 2

Bastian Fersch /www.baby-und-familie.de; 29.07.2011, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: W&B/Dr. Ulrike Möhle, W&B/Christine Schneider

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Braucht(e) Ihr Kind einen Schnuller?

Memo-Spiele

Unsere Kartenaufdeck-Spiele, das ähnlich wie das klassische Memory® funktioniert »

Auf www.apotheken-umschau.de

Medikamentencheck

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneien überprüfen »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Arzt- Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit